Als er im vergangenen April während seiner Deutschlandreise unsererseits auf eine mögliche Rückkehr zu den Falcons angesprochen wurde, hielt sich Coach Vytautas Buzas (verständlicherweise) noch sehr bedeckt. Dennoch entwich ihm, verbunden mit einem Lächeln, ein klares Bekenntnis: „Ich würde wahnsinnig gerne eines Tages beenden, was ich gemeinsam mit Ralph begonnen habe.“ Rund 1,5 Jahre nach seinem Weggang aus Nürnberg leitet Vytas nun wieder als Headcoach das Falcons-Training. Und stand uns für ein kurzes Interview zur Verfügung.

Block[E]rs: Vytas, wie fühlt es sich an, wieder in Nürnberg zu sein?

Buzas: Es fühlt sich großartig an! Wie ich schon vorab in Interviews immer wieder betont habe: Nürnberg ist meine zweite Heimat, ich habe viele Freunde hier, ich mag die Stadt und ihre Menschen sehr – und natürlich gefiel mir die Idee, wieder bei den Falcons zu arbeiten.

Block[E]rs: Wir sind alle sehr froh, dich wieder als Head Coach an Bord zu haben! Wie war der Kontakt zu Ralph nach deinem Weggang und wann kam der Plan für deine Rückkehr zu den Falcons auf?

Buzas: Vielen Dank. Alles wovon ich träume ist, die Fans wieder in der Halle zu haben und natürlich die Unterstützung, die wir vorher hatten. Ralph und ich sind auch nach meinem Weggang im Dezember 2019 stetig im Kontakt geblieben. Basketball ist nur eines der Themen, die uns verbinden. Basketball hat uns geholfen, uns kennenzulernen, aber danach sind wir gute Freunde geworden und wir haben auch abseits des Basketballcourts viel gemeinsam.

Block[E]rs: Du hast die Falcons zum Ende des Jahres 2019 verlassen. Warst du in der Zwischenzeit als Trainer oder Funktionär in Litauen tätig? Und wie hast du das Basketballgeschehen in Deutschland und in Nürnberg verfolgt?

Buzas: Natürlich habe ich die Falcons die ganze Zeit verfolgt und den Kontakt zu vielen Spielern und zum Falcons-Staff gehalten. In der letzten Saison habe ich in meiner Heimatstadt in der zweiten Liga in Litauen gearbeitet, weil es die perfekte Situation war, um weiter im Basketball tätig zu sein – auch in Anbetracht meiner familiären Situation und natürlich der Situation auf der Welt. Ich bin froh, dass ich diese Chance hatte und in der Nähe meiner Familie bleiben konnte.

Block[E]rs: In deiner ersten Saison als Headcoach in der Saison 2019/20 hatten wir sehr schnell den Eindruck, dass du eine ganz bestimmte Vorstellung vom Basketball-Spiel deines Teams hattest. Verfolgst du immer noch die gleiche Philosophie? Und bist du aktuell noch auf der Suche nach Spielern, mit denen du diese Idee in der nächsten Saison umsetzen kannst – vielleicht sogar aus Ihrer litauischen Heimat?

Buzas: Ich denke, jeder Trainer hat Ideen, wie er sein Team sehen möchte und versucht natürlich, den Kader entsprechend zusammenzustellen. Aber nicht immer ist das in dieser Form möglich, wie man es sich wunschgemäß vorstellt. Für mich gibt es keine Spieler mit litauischer, deutscher oder US-amerikanischer Nationalität. Sie alle sind für mich Basketballspieler und Persönlichkeiten, mit denen wir arbeiten können – oder eben nicht. Ich glaube, dass einheimische Spieler das Wichtigste in jeder Organisation sind. Deshalb sind wir sehr froh, dass wir Basti Schröder, Jonathan Maier, Chris Feneberg und Jackson Kent (den ich schon als einheimisch betrachte) behalten und noch weitere junge deutsche Spieler ins Team integrieren können.

Block[E]rs: Was erwartest du von der kommenden ProA-Saison? Wie stark schätzt du die Konkurrenz ein, wer sind für dich die Liga-Favoriten? Und was sind deine Erwartungen an dein Team? Gibt es ein konkretes Ziel für die Saison, vielleicht sogar eine Vorgabe?

Buzas: Ich denke, dass die ProA in der nächsten Saison eine sehr starke Liga mit sehr guten Teams sein wird. Ich möchte kein Team in der Liga hervorheben, aber es gibt sicher einige Teams, die vom Aufstieg reden und dies auch mit ihren Neuverpflichtungen zeigen. Meine größte Erwartung ist es, eine hungrige und sehr leistungsfähige Truppe um mich herum zu haben. Wir werden jedes Spiel angehen, als wäre es das wichtigste Spiel der Saison für uns – und unser ganzes Herzblut dafür geben jedes Spiel zu gewinnen.

Block[E]rs: Gerade die Falcons waren in der letzten Saison durch schwere und teilweise langwierige, durch Corona ausgelöste Krankheitsverläufe stark beeinträchtigt. Dennoch schienen einige knappe Niederlagen – aus unserer Sicht – auch ein bisschen „Kopfsache“ gewesen zu sein. Fängt die neue Saison wieder bei „Null“ an – oder wirst du die letzte Saison mit den Spielern noch einmal mental aufarbeiten?

Buzas: Natürlich war die Situation für uns alle ungewohnt. Manche Mannschaften sind besser mit den Beeinträchtigungen zurechtgekommen, manche leider nicht. Aber die neue Saison ist eine ganz andere Geschichte, ein neues Kapitel. Daher macht es aus meiner Sicht keinen Sinn, sich in diesem Fall mental nochmals mit der Vergangenheit zu beschäftigen.

Block[E]rs: In deiner ersten Saison als Cheftrainer 2019/20 hat dich Ralph als Assistenztrainer unterstützt, diese Saison wird Derrick Taylor diesen Job übernehmen. Wer wird welche Aufgaben in deinem Trainerstab übernehmen? Und in welche Themen wird Ralph als Geschäftsführer und Sportdirektor intensiv eingebunden sein?

Buzas: Zunächst einmal möchte ich sagen, dass ich sehr froh bin, Derrick als meinen Kollegen an Bord zu haben und natürlich auch die anderen Mitglieder meines Staffs mit Phillip, Andrea, Johannes und Matthias. Jeder von ihnen trägt seinen individuellen, wichtigen Teil zum Erfolg bei, macht meinen Job besser und zahlt somit auf den Erfolg der Falcons ein. Um auf Derrick zu sprechen zu kommen: Es ist mir eine große Freude mit einem Mann mit solch reichem Erfahrungsschatz und ebensolchen Erfolgen zusammenzuarbeiten. Ralph ist voll ins Teamgeschehen und in unsere Kaderplanung involviert. Es wäre töricht nicht auf seine Erfahrung zurückzugreifen – sowohl in geschäftlicher Hinsicht als auch insbesondere in Sachen Basketball.

Block[E]rs: Welches Potenzial siehst du für die Falcons und den Basketball in der Region in unserer neuen Spielstätte? Und wie könnte es uns gelingen, noch viel mehr Basketball-Fans aus der Region als bisher zu den Heimspielen der Falcons zu locken?

Buzas: Wie ich schon in den ersten Jahren, als ich hier ankam, gesagt habe: Ich habe Gefallen an der Herausforderung hier in Nürnberg, weil es eine große Stadt ist, die sehr viel Potenzial hat. Wir müssen nur eine gute, leistungsfähige Mannschaft haben, die größtenteils aus regionalen Spielern mit Herz und Leidenschaft besteht. Das schafft maximales Identifikationspotenzial. Basketball ist Spiel. Spiel sollte Spaß machen und die Fans lieben Events, die Spaß bieten. Wir wissen also was zu tun ist und welchen Weg wir gehen sollten… aber zuallererst träumen wir davon, Euch Fans in unserer neuen Arena zu haben!

Block[E]rs: Wir kennen dich als einen sehr ehrgeizigen, akribisch arbeitenden jungen Trainer mit sehr leidenschaftlichem Game Coaching. Ist Vytautas Buzas in seiner Freizeit derselbe Typ Mensch – oder vielleicht ganz anders? 

Buzas: Vytautas Buzas, wird auf dem Platz und außerhalb des Platzes immer derselbe Mensch sein … nur eben jetzt ein paar Jahre älter (lacht). Ich möchte immer ich selbst sein.

Block[E]rs: Worauf können wir Fans uns in der kommenden Saison besonders freuen? 

Buzas: Hoffentlich auf Falcons-Spiele, die auch in diesen nicht ganz so einfachen Zeiten für positive Emotionen sorgen werden. Denn das brauchen wir alle wirklich. Leidenschaft. Junge Leute, die für das kämpfen, was sie lieben. Und die andere Menschen dazu bringen, stolz auf diese Stadt zu sein.

(Foto by Sportfoto Zink)

 

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